Klangüberraschungen
Anna Lapwood bei ProArte in der Elbphilharmonie

Anna Lapwood
Mittwoch, 22. Oktober 2025 | 20:00 | Elbphilharmonie, Großer SaalProgramm
Hans Zimmer (*1957)
Chevaliers de Sangreal
aus: The Da Vinci Code (USA 2006)
Rachel Portman (*1960)
Flight
Olivia Belli (*1977)
Limina Luminis
Benjamin Britten (1913–1976)
I. Dawn
II. Sunday Morning
aus: Four Sea Interludes op. 33a
Alan Menken (*1949)
The Bells of Notre Dame
aus: The Hunchback of Notre Dame (USA 1996)
John Williams (*1932)
Duel of the Fates
aus: Star Wars Episode I (USA 1999)
Hans Zimmer
Cornfield Chase
aus: Interstellar (USA/UK 2014)
Christopher Churcher (*2004)
This Shining Night
Ludovico Einaudi (*1955)
Experience
Eugène Gigout (1844–1925)
IV. Toccata h-Moll
aus: 10 pièces pour orgue
Hans Zimmer et al.
Suite aus dem Soundtrack von Pirates of the Caribbean (USA 2003)
I. Hoist the Colours/Davy Jones
II. Jack Sparrow
III. One Day
IV. Drink up, me hearties, yo ho!
Veranstaltungsende ca. 22 Uhr
Besetzung
Anna Lapwood Orgel
Mehr als eine Million Follower auf Instagram, ausverkaufte Säle, so weit das Auge reicht: Anna Lapwood begeistert die Massen für ihr Instrument – die Orgel. Wie schafft sie das? Juliane Weigel-Krämer im Gespräch mit Anna Lapwood über Lieblingsfilme, die Elbphilharmonie – und den Grund, aus dem jeder ein Instrument spielen sollte.
Der ganze Raum ist so ikonisch!
Liebe Anna, danke, dass du dir Zeit für meine Fragen nimmst. Und es geht auch gleich los.
Du hast für dein Elbphilharmonie-Konzert viel Filmmusik aufs Programm gesetzt: Bist du selbst auch Film-Fan? Hast du einen Lieblingsfilm?
Anna Lapwood: Ich habe Filme schon immer geliebt, aber ich glaube, diese Liebe gilt vor allem den Soundtracks. Wenn ein Film einen Soundtrack hat, der nicht zur Handlung passt, schalte ich ganz schnell aus! Andererseits schaue ich mir Filme mit epischen Soundtracks immer und immer wieder an – daher würde ich sagen, mein Lieblingsfilm ist entweder der dritte Teil von Fluch der Karibik, der letzte Herr-der-Ringe-Film oder Jurassic Park. Ich habe sie schon so oft gesehen und die Musik berührt mich jedes Mal wieder.
Instrumente mit Persönlichkeit
Das erklärt vielleicht auch, warum Kirill Richter nach einem kurzen Exkurs am Konservatorium – man muss sich das wie einen Schüler-Workshop in Klavier und Komposition vorstellen – zuerst am traditionell so bezeichneten MEPhI, der heutigen National Research Nuclear University in Moskau studierte. Allerdings im Bereich Grafikdesign. Kirill lernte in seinem Studium, U-Boote zu zeichnen. Danach hielt er sich als freiberuflicher Grafikdesigner mehr schlecht als recht über Wasser, gestaltete Logos und Websites. Ein Kurs im Fach Mode an der British Higher School of Art and Design, ebenfalls in Moskau, sollte sein Leben wieder in spannendere Bahnen lenken – was leider nicht so richtig klappte.
Also versuchte er es mit Musik, ohne fundierte Ausbildung, ohne echte Vorbilder in der Familie oder dem Umfeld. Ein bisschen Herumgeklimpere auf einem von den Nachbarn geliehenen Keyboard, die Faszination des alten, verstimmte Klaviers seiner Großmutter und der Workshop am Konservatorium waren ausreichend Rückenwind für Kirill Richter. Und es funktionierte. Noch viel besser: Er konnte seine Leidenschaft für Design und Mode mit einfließen lassen. Davon zeugt vor allem sein Instagram-Auftritt. Kirill Richter liebt das Schöne, das Ästhetische, mag es aber auch, wenn etwas auf den zweiten Blick irritiert oder ungewöhnlich ist.
Im bestmöglichen Licht
In einem Interview beschreibst du, wie du Programme speziell auf eine bestimmte Orgel zuschneidest. Ist dein ProArte-Programm maßgeschneidert für die Elbphilharmonie-Orgel?
AL: Ich liebe den Prozess des Konzert-Kuratierens – mir das Repertoire anzuschauen, das ich gerade am meisten liebe, und dann zu sehen, welche Auswahl eine bestimmte Orgel ins bestmögliche Licht rückt. Ich wusste, dass ich zwei Stücke aufs Programm nehmen wollte, die ich schon bei den Elbphilharmonie Sessions aufgenommen hatte, weil das Stücke sind, die ich jetzt wirklich mit der Spielstätte verbinde. Gleichzeitig glaube ich, die Art, wie ich sie spiele, hat sich seit der Aufnahme verändert und weiterentwickelt, und ich freue mich schon, das im gleichen Raum nun weiter zu erforschen. Darüber hinaus wollte ich auf jeden Fall meine neuesten Transkriptionen von Musik aus den Fluch-der-Karibik-Filmen aufs Programm setzen. Ich bin besonders gespannt, wie sie in der Elbphilharmonie klingen werden, denn diese Musik funktioniert am besten in einer sehr spezifischen Akustik – klar, aber warm –, daher glaube ich, dass das für mich ein echtes Highlight wird!
Spannende Zeiten
Wie schaffst du es, so viele Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft für die Orgel zu begeistern?
AL: Ehrlich gesagt versuche ich einfach nur, meine Begeisterung für das Instrument und die Musik, die ich spiele, zu teilen. Ich hoffe, dass die Menschen das spüren und Lust bekommen, sich weiter damit zu beschäftigen. Dabei hat natürlich Social Media eine riesige Rolle gespielt! Ich finde, es sind gerade so spannende Zeiten: Auf Social Media gibt es ein riesengroßes Publikum, das interessiert ist und Lust hat, mehr über die Musik zu erfahren, die wir lieben. Social Media kann die klassische Musik wirklich demokratisieren, weil wir die Musik direkt zu den Menschen bringen können anstatt zu warten, bis sie zu uns kommen. Ich sehe Social Media als einen Ort, an den die Leute gehen, um zu lernen, Gemeinschaften zu schaffen und ihre Sicht auf die Welt reicher zu machen. Leute können von Dingen erfahren, weil sie zufällig online darauf stoßen – also lasst uns dafür sorgen, dass die Orgel und die klassische Musik Teil davon sind!
Zukunftsmusik
Wie stellst du dir dein (berufliches) Leben in zehn Jahren vor?
AL: Ha! Ich habe keine Ahnung. Selbst in den letzten zwei Jahren hat sich so viel geändert … Ich habe gelernt, dass oft schwer vorauszusehen ist, was als nächstes passiert, und dass es besser ist, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Wenn ich zurückschaue auf das erste Mal, dass ich in der Elbphilharmonie gespielt habe: Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich sechs Jahre später ein ausverkauftes Solokonzert hier spielen würde – das hätte sich damals wie eine komplett verrückte Idee angefühlt. Ich glaube, man begrenzt sich manchmal, wenn man versucht, alles zu genau zu planen …! Dennoch: Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren immer noch regelmäßig auftrete, und immer noch mit ganz unterschiedlichen Stilen. Ich liebe es, Solorezitale zu spielen; ich liebe es, Konzerte mit großen Orchestern zu spielen; ich finde Crossover-Gigs mit Bands unglaublich spannend – ich hoffe also, dass ich es schaffe, eine Mischung all dieser Dinge zu tun.
Orgel für alle!
Wenn du könntest: Wie würdest du die Welt verändern?
AL: JEDEN DAZU BRINGEN, ORGEL ZU SPIELEN! Nein, sorry, das ist ein alberner Vorschlag. Ich würde gern dafür sorgen, dass alle Menschen Zugang zu kostenloser Musikerziehung haben, dass sie die Chance hätten, viele unterschiedliche Instrumente auszuprobieren, bis sie das finden, das perfekt zu ihnen passt. Außerdem fände ich es schön, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, während des Studiums und danach Musikunterricht zu nehmen: So viele Menschen spielen als Kinder ein Instrument und geben es später im Leben auf. Ich glaube, wenn jeder ein Instrument spielen würde, auch als Erwachsener, wäre die Welt ein glücklicherer Ort.
Welches Stück würdest du gern eines Tages in einem Arrangement für Orgel spielen?
AL: Der Soundtrack, den ich wirklich gern arrangieren möchte, ist Howard Shores Musik zu Herr der Ringe. Ich habe schon angefangen, darüber nachzudenken – das Problem ist, es gibt so viel tolle Musik in den Filmen, dass es mir schwerfällt, das einzugrenzen …! Ich muss neue Arrangements oft ein paar Monate lang in meinem Kopf hin- und herbewegen, bevor ich bereit bin, mit dem Schreiben anzufangen. Dann geht es plötzlich ganz schnell, weil mein Hirn im Hintergrund schon daran gearbeitet hat! In diesem Stadium bin ich gerade.
Überraschung!
Wie ich gelesen habe, hast du diverse Instrumente gelernt. Warum hast du dich für die Orgel als Hauptinstrument entschieden?
AL: Ja! Ich habe vorher Harfe studiert und war ziemlich überzeugt, dass ich professionelle Orchesterharfenistin werden will. Ich habe immer noch eine Harfe, aber ich spiele sie nur selten, weil ich gerade nicht wirklich Zeit habe! Ich habe auch Klavier, Geige, Bratsche und Gesang gelernt und mir aus Spaß noch ein paar andere Instrumente selbst beigebracht. Ich glaube, der Grund, dass ich mich in die Orgel verliebt habe, ist der unglaubliche Farbreichtum, den sie erzeugen kann. Die Leute habe immer bestimmte Erwartungen, wie eine Orgel klingt, und es macht wirklich Spaß, sie mit etwas anderem zu überraschen – ob das nun der allerleiseste Klang ist oder etwas, das so laut ist, dass die Wände wackeln.
Danke dir, Anna! Wir freuen uns auf das Konzert.
Anna Lapwood beim Hamburger Orgelsommer 2026
Wednesday, 22. July 2026 | 7pm | St. Michaelis, HauptkircheAnna LapwoodHamburger Orgelsommer 2026
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