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Hintergründe

Individualität erwünscht!

Das Manchester Collective bei ProArte X

Manchester Collective © Pete Woodhead
© Pete Woodhead
Digitales Programmheft

Manchester Collective

Donnerstag, 19. März 2026 | 19:30 | Elbphilharmonie, Kleiner Saal

Programm

Christian Mason (*1984) 
IV. Muttos
aus: Sardinian Songbook
 

II. Eki Attar
aus: Tuvan Songbook
 

Edmund Finnis (*1984) 
Streichquartett Nr. 2

Dobrinka Tabakova (*1980) 
Insight
 

Jocelyn Campbell (*) 
3AM: Lights and places flicker endlessly, passing by alongside old memories that evoke but will not linger ...
 

Jonathan Dove (*1959) 
II. Slow
V. Fast, attacca:
aus: Out of Time
 

Andrew Hamilton (*1977) 
In Beautiful May
 

Philip Glass (*1937) 
II.
aus: Streichquartett Nr. 4 „Buczak“
 

Anna Meredith (*1978) 
Tuggemo
 

Besetzung

Manchester Collective

 

Moderation: Charlotte Oelschlegel, NDR Kultur

Manchester Collective © Pete Woodhead
Manchester Collective © Pete Woodhead

Manchester – das ist doch … Oasis, oder? Natürlich! Und ManUnited, auch klar! Fußball und BritPop, Industrie, Coolness, Nordengland, Underdog, Underground und trotzdem schon immer ganz oben mitmischen. So ähnlich ist das auch mit dem Manchester Collective. Das wurde 2016 von ein paar Musiker:innen gegründet, die keine Lust mehr hatten, ihre eigene Kreativität so zu beschneiden, wie es in den meisten Orchestern und Ensembles fast Voraussetzung ist. In diesen eigentlich doch genuin künstlerischen Umgebungen ist Individualität eben doch eher unerwünscht und nicht gern gesehen – und das kann auf die Dauer so sehr frustrieren!

Wenn man kollaborativ arbeitet, muss man wirklich offen sein und sein Ego an der Garderobe abgeben.
Jasmin Kent Rodgman

Also gründete Rakhi Sing, Geigerin und Kuratorin, vor fast 10 Jahren ein Kollektiv, zusammen mit Freunden, Texterinnen, Tänzern, Filmemachern, Lichtdesignerinnen, Programmierern. Erstaunlich wenige Musiker:innen jedenfalls, dafür dass es eigentlich um klassische Musik gehen sollte. Aber eben auch darum, Konventionen herauszufordern. Denn eins war den Gründungsmitgliedern klar: So konnte es in der klassischen Konzertwelt nicht für sie weitergehen. 

Statt ehrfürchtig zum Elfenbeinturm emporzublicken und böse das Publikum anzufunkeln, wenn es nicht an der richtigen Stelle klatscht, möchte das Manchester Collective viel lieber Raum für radikales Denken, Fühlen und menschliche Begegnungen schaffen – für Künstler:innen und Publikum gleichermaßen. Klassische Musik ist eine lebendige, sich stetig weiterentwickelnde Kunstform, die Vergangenes nicht zwingend verherrlicht und Neuem ablehnend begegnet. Das klingt fast schon radikal!

 

Aber aus dieser Haltung heraus entstehen Konzertprogramme wie Albion, Now

Albion ist ein alter Name für England, vermutlich keltischen Ursprungs. 

albio- = Welt, Land. 

 

Ein Name, der über 2.500 Jahre alt ist, übertragen ins Hier und Jetzt. Wieviel Albion steckt im heutigen England? Welche Spuren dieser Welt sind schon lange verblasst? Welche lassen sich noch gut nachzeichnen?

 

Das Programm ist eine Hommage an die Menschen, die klassische Musik noch lange nicht aufgegeben haben und mit denen das Kollektiv im Laufe der Jahre Beziehungen aufbaute. Die Henry Purcell kennen und Thomas Tallis, Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams. 

Das zweite Streichquartett von Edmund Finnis beispielsweise, das das Collective vor fünf Jahren bei dem britischen Komponisten in Auftrag gab, erinnert an englische Consort-Musik des frühen 17. Jahrhunderts: ganz ohne Vibrato, aber mit viel Tiefe und Obertönen nähern sich die vier Stimmen wie in Schichten aneinander an. Und klingen trotzdem ein bisschen nach Ambient.

Das heutige England, voller Soundschnipsel und hektischer Popmusik, die einen umströmt, als würde man grade durch eine voll Shopping-Mall gehen, inmitten von hunderten Smartphone-Lautsprechern, hat Andrew Hamilton in seinem Werk In Beautiful May eingefangen. War das nicht George Michael … Take That? Aber natürlich auch Robert Schumann. War der eigentlich mal in Albion? Im wunderschönen Monat Mai?

Dieses dichte Summen, das hektische Hin und Her von kleinen Insekten im Schwarm – dafür gab es in Altenglisch eine eigene Bezeichnung: Tuggemo. Heute benutzt es kaum jemand mehr, aber die britische Künstlerin Anna Meredith hat ihr Werk genau so genannt. Die Musiker:innen stürzen sich mit Glissandi auf einen Drum-and-Bass-Track und Visuals von wimmelnden bunten Käfern und Marienkäfern.

 

Wenn das die Zukunft der klassischen Musik ist, dann: You’re my Wonderwall.