Philip Glass und John Adams
Minimale Mittel, maximale Wirkung

Philip Glass zum 90. und John Adams zum 80. Geburtstag
Minimal Music: kleinste musikalische Patterns, die sich mit minimalen Veränderungen scheinbar endlos wiederholen. Die eingängigen, teilweise geradezu hypnotischen Klänge, die seit den 1960er-Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte schreiben, waren ursprünglich Protest und Experiment: Protest gegen die immer komplexer werdende serielle Musik und den engen Horizont der klassischen, europäisch geprägten Kompositionstechnik. Experiment mit elektronischen Mitteln wie Tonbändern, mit den Klängen anderer Kulturen und Kontinente sowie mit den Erkenntnissen der Psychoakustik.
Es waren die 1960er-Jahre, es herrschte Aufbruchstimmung. 1964 ging der 27-jährige Philip Glass von Pittsburgh nach Paris, studierte erst bei Nadia Boulanger – einer brillanten Pädagogin, die ihre Schüler:innen stets ermutigte, ihre ganz eigene Klangsprache zu finden und auch Glass zutiefst prägte –, dann bei dem legendären Sitarspieler Ravi Shankar. Dessen Musik und Persönlichkeit eröffneten Glass buchstäblich neue Horizonte: Er bereiste Indien, den Vorderen Orient und Afrika, sog die Musik und die Kulturen, denen er begegnete, in sich auf und formte daraus – gemeinsam mit Kollegen wie Steve Reich und La Monte Young – einen Stil, der später als „Minimal Music“ Weltruhm erlangte.
Die drei Amerikaner wurden zu Vorreitern einer Sichtweise auf klassische Musik, die sich unbekümmert über Stil- und Gattungsgrenzen hinwegsetzt. Oper und Werbespot, Sinfonie und Film-Soundtrack: In der Minimal Music gibt es keine Hierarchien.
Tabus – also Dinge, die eigentlich verboten sein sollten – sind oft am interessantesten.
Auch John Adams entschied kurz nach seinem Kompositionsstudium, sich von der strengen musikalischen Moderne ab- und der Minimal Music zuzuwenden. Als Leiter des New Music Ensemble am Konservatorium von
San Francisco und Hauskomponist des San Francisco Symphony hatte er zahlreiche Gelegenheiten, seine Ideen in der Praxis zu erproben: mit Erfolg. Rasch machte Adams sich national und international einen Namen – und begann, mehr und mehr seinen eigenen kompositorischen Weg zu gehen. Im Gegensatz zu den Minimalisten der ersten Generation stellt Adams sich nicht radikal gegen den üppigen Orchesterklang und die großen melodischen Bögen in der Tradition von Komponisten wie Wagner und Mahler, sondern bezieht diese Effekte wirkungsvoll in seine eigenen Werke mit ein.
Ich glaube nicht, dass irgendetwas, das ich seit 1990 geschrieben habe, wirklich als ‚minimalistisch‘ eingestuft werden kann.
Dieser höchst individuelle Weg wurde für John Adams zur Erfolgsgeschichte: Seine Werke werden weltweit gespielt, seine Fans leben in Finnland ebenso wie in Frankreich, den Niederlanden oder den USA.
„Ich glaube, dass der amerikanische Minimalismus den Kurs der zeitgenössischen Musik veränderte, indem er eine musikalische Erfahrung bot, die erfrischend frei von den furchtbar undurchsichtigen und unzugänglichen Stilen der europäischen Avantgarde war.“ – John Adams
Bei ProArte feiern wir in dieser Saison die beiden Jubilare Philip Glass und John Adams, die mit ihrer Arbeit klingende, lebendige Musikgeschichte geschrieben haben und bis heute aktiv am Musikgeschehen mitwirken: als Komponisten und Interpreten; so wird John Adams seine Werke bei ProArte in der Elbphilharmonie persönlich dirigieren.
Donnerstag, 14. Januar 2027 | 19:30 Uhr | Elbphilharmonie, Kleiner SaalAlexej Gerassimez Percussion CollectiveWerke von Bach, Glass, Gerassimez u. a.
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Sonntag, 24. Januar 2027 | 20:00 Uhr | Elbphilharmonie, Großer SaalLondon Symphony OrchestraJohn Adams | Víkingur Ólafsson
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Samstag, 08. Mai 2027 | 11:00 Uhr | Elbphilharmonie, Großer SaalMartynas LevickisStuttgarter Kammerorchester
Montag, 28. Juni 2027 | 20:00 Uhr | Philharmonie Berlin, Großer SaalVíkingur ÓlafssonProArte zu Gast in der Philharmonie Berlin
€ 63,00 | 58,00 | 50,00 | 44,00 | 38,00 | 32,00 | 25,00 zzgl. VVK





