Hintergründe

Branford Marsalis – kurz vorgestellt

„Erst wenn man nicht mehr an den Noten klebt, kann Musik entstehen“

Branford Marsalis_c_Roger Thomas
© Roger Thomas

Jazz und Klassik sind für den Saxofonisten Branford Marsalis keine unterschiedlichen Welten. Nur die Darbietung ist anders: Beim Jazz ist der persönliche Ausdruck alles, bei der Klassik muss der individuelle Ausdruck erst auf Basis der vorhandenen Noten entwickelt werden. Das bedeutet für den Musiker mehr Disziplin. Aber „die Kraft der Musik liegt darin, Gefühle in den Menschen zu wecken. Das ist das Wichtigste und letztlich auch das, womit das Publikum am Ende nach Hause geht.“ 

Ich habe sieben Jahre lang Klarinette gelernt, das war mein erstes Instrument
Branford Marsalis

Es ist diese grundsätzliche Offenheit, die Branford Marsalis auszeichnet. Ganz gleich, ob er an der Seite von Sting das betörende Solosaxofon in Englishman in New York spielt oder mit seinem Quartett neue Wege im Jazz beschreitet, ob er mit Sinfonieorchestern klassisches Konzertrepertoire interpretiert oder mit seiner R’n’B-Band Buckshot Lafonque Hip-Hop und Jazz lässig mixt. Verwunderlich ist diese Vielseitigkeit nicht, schaut man in seine Biografie – erstaunlich ist nur die Exzellenz, die er in all diesen Bereichen erlangt hat. Aufgewachsen in einer musikbegeisterten Familie im New Orleans der 1960er-Jahre, saugt Branford die Möglichkeiten, die ihm die Musik der Zeit bietet, begeistert auf. Vater Ellis Marsalis ist Jazzpianist, seine Brüder Wynton, Delfeayo und Jason werden später ebenfalls erfolgreiche Musiker. Alle Kinder der Marsalis-Familie erhalten neben dem omnipräsenten Jazz eine klassische Musikausbildung und spielen im Jugendorchester. „Ich habe sieben Jahre lang Klarinette gelernt, das war mein erstes Instrument.“ Doch nach dem Saxofonstudium am renommierten Berklee College of Music in Boston zieht es Branford erst mal in die Welt – er spielt in der Jazzband seines Bruders, wird von Art Blakey und Miles Davis engagiert. Durch die Zusammenarbeit mit Sting öffnet sich die Tür zur Popwelt – Stars wie Tina Turner oder James Taylor engagieren den wandlungsfähigen Saxofonisten mit dem ebenso präzisen wie geschmeidigen Ton. Mitte der 1990er-Jahre leitet er The Tonight Show Band des Talkmasters Jay Leno und gründet danach seine eigene Band sowie sein Jazzquartett, mit dem er bis heute konstant auf Tournee ist.

Am Anfang war es richtig hart
Branford Marsalis

Nachdem er bereits 1986 mit dem Album Classic Branford einen ersten Ausflug in die klassische Musik unternommen hat, wagt Branford Marsalis sich zu Beginn der 2000er-Jahre damit auch immer öfter auf die Konzertbühne. „Am Anfang war es richtig hart“, gibt er in einem Interview zu. „Wenn man zu sehr auf die Noten fokussiert ist, weil man Angst hat, dass man sie falsch spielt, macht man keine Musik. Doch mittlerweile bin ich entspannt – und das gibt mir die Freiheit, wirklich Musik zu machen!“