Hintergründe

Joyce DiDonato – kurz vorgestellt

Die Stimme einsetzen

Joyce DiDonato_c_Sergi Jasanada
© Sergi Jasanada

Als Mezzosopran hat man mehr Spaß! Davon ist Joyce DiDonato fest überzeugt. Während anderen Stimmfächern meist nur eine Handvoll Typen vergönnt ist, schlüpft DiDonato als Mezzo in die unterschiedlichsten Rollen: Händels Heldinnen (und Helden), Mozarts muntere Lieblinge und die dramatisch Verliebten des Belcanto sind ihre Paradepartien, doch der musikalische Appetit der Sängerin wächst mit jeder Delikatesse. „Es gibt fast zu viel Repertoire und zu wenig Zeit, all das zu tun, was ich möchte“, formulierte sie 2012. Der Spaß, den Joyce DiDonato an ihrem Beruf hat, ist unverkennbar in jedem wohlgeformten Ton, den sie ihrem Publikum zuwirft, und auch in ihrer mühelosen Spielfreude. Ihre magnetisierende Bühnenpräsenz lässt perfektionistisch erarbeitete Technik vergessen, die hinter der Stimme aus „24 Karat Gold“ (The Times) und dem scheinbar endlosen Atem steckt.

Es gibt fast zu viel Repertoire und zu wenig Zeit, all das zu tun, was ich möchte
Joyce DiDonato

Bei allen Höhenflügen über die großen Bühnen der Welt – von Metropolitan Opera über Mailänder Scala bis Covent Garden, dekoriert mit Auszeichnungen wie Gramophone Awards und Grammys – bewahrt sich die „Yankee Diva“ freilich eine sympathische Bodenhaftung. Sie liebt es, auch opernfernes Publikum mit ihrer Begeisterung anzustecken, ganz gleich, ob sie beim „NPR Tiny Desk Concert“ einem Internet-Millionenpublikum Barockarien im Jazzgewand nahebringt oder musikalische Workshops im Hochsicherheitsgefängnis Sing Sing gestaltet. Nicht selten werden ihre Projekte zum Dokument ihres herrlichen Humors – etwa wenn sie in der Filmdokumentation Die Florence Foster Jenkins Story die berüchtigte „Königin der Dissonanzen“ verkörpert. Besonderes Anliegen ist der brillanten Vokalistin auch das Engagement für die drängenden Themen unserer Tage, sei es der Kampf um Menschenrechte als Protagonistin der Oper Dead Man Walking oder das Verhältnis von Menschheit und Natur, das sie im Projekt Eden ausleuchtet. „Ich habe eine Stimme“, weiß DiDonato, „und ich muss sie einsetzen.“

Hohe Töne, hohe Ideale – und doch weiß die Künstlerin simple Dinge zu schätzen, zum Beispiel ein paar ruhige Momente zu Hause bei voller Weihnachtsbeleuchtung, verrät sie auf ihrem Blog. Vorfreude auf solche seltenen freien Tage kultiviert die Sängerin auch in ihren Konzertprogrammen mit festlichen Klängen ihrer amerikanischen Heimat, ihrer weltumspannenden Karriere und ihres epochensprengenden Repertoires. Vielseitig, persönlich und voller Freude – eben ganz so, wie man Joyce DiDonato kennt.